Chronik

Ausflug in die Geschichte des Junggesellenverein "St. Sebastianus" Walporzheim e.V.

Eine Chronik des Junggesellenverein "St. Sebastianus" von Walporzheim zu schreiben ist nicht möglich ohne die Geschichte des Dorfes zu berücksichtigen. Beide, Dorf und Junggesellen, sind so eng miteinander verbunden wie die hier wachsenden Reben mit dem reifenden Wein.

 

Im Jahre 893 wird Walporzheim im Güteverzeichnis des kaiserlichen Abtei Prüm erstmalig erwähnt. Zu dieser Zeit ist die Siedlung im Besitz der mächtigen Benediktiner Abtei Prüm in der Eifel.

 

In einer Urkunde vom 16. April 1246 ist Walporzheim Besitz des Grafen Are von Hochstaden. Gesetz und Recht wurden von Kur-Köln erlassen und wenn notwendig auch befohlen.

Nur das "Geistliche Recht" unterstand der Abtei Prüm. So waren hier das geistliche und weltliche Recht geteilt. Im guten Einvernehmen war dies für den Bürger von großem Nutzen. Die weltlichen Zünfte waren gleichzeitig kirchliche Bruderschaften. So entwickelte sich neben den Zünften frühzeitig die "Junggesellen-Bruderschaften" aus denen später die Junggesellenvereine wurden.

 

In Walporzheim ist dieses der heutige Junggesellenverein "St. Sebastianus" Walporzheim. Die Junggesellen-Bruderschaft von Walporzheim finden wir in der Sendschöffenordnung von 1514 Artikel 47 erstmalig erwähnt. Der Send war ein kirchliches Sitten- und Rügegericht. Die Sendschöffen hatten anhand eines ausgiebigen Fragenkatalogs Verstöße gegen Sitte und Anstand, aber auch in Konkurrenz zu den weltlichen Gerichten, Straftatbestände zu ermitteln und abzuurteilen.

Im Rheinischer Antiquarius heißt es wörtlich: "Die Brudermeister der Junggesellen Bruderschaft haben darauf zu achten, ob Leichtfertigkeit beim öffentlichen Tanzen auf der Straße oder unter der hängenden Maienkrone stattfinden... " (Band 9, Seite 762)

 

Neben den religiösen Aufgaben mussten die Junggesellen-Bruderschaften viele weltliche Aufgaben erfüllen. Sie schützen das Dorf vor Diebes- und Räubergesindel und übernahmen auch den Schutz der Wallfahrtsfußprozessionen, sogar bis nach Kevelar und zum Kloster der Franziskaner auf dem Kalvarienberg.

 

Im Jahr 1792 brach in Frankreich eine Revolution aus. Schnell verbreitete sich diese auch bis über den Rhein aus. Sie brachte eine ganz neue Gesellschaftsordnung und eine neue Gesellschaftsform mit sich. Das linke Rheinufer wurde französisch. Das Kurfürstentum Köln wurde aufgelöst und hatte damit aufgehört zu existieren. Alles Eigentum von Kirche, Kloster und Adelshäusern mit dem dazu gehörenden Grundbesitz wurde Staatseigentum.

 

1795 mussten sich die Bruderschaft der Junggesellen von Walporzheim umbenennen. Sie wählten sich den Namen "Junggesellenverein Walporzheim" .

 

Die Ratsprotokolle berichten, dass am 22. September 1795 die Dorfbewohner sich in der St. Josef Kapelle versammelten und bekannt gegeben wurde, dass das Kurfürstentum Köln nicht mehr regiere und sie nun alle freie Bürger der Republik Frankreich wären.

Aus diesem Anlass stellten die Junggesellen des Dorfs auf den Kapellenvorplatz einen Freiheitsbaum mit geschmückter Baumkrone auf. Später wurde er Maibaum genannt. Er wird heute noch von den Junggesellen in der Mainacht aufgestellt. Der Maibaum kam an die Stelle der Maikrone, die bis dahin in den Dorstraßen und am Kapellenvorplatz aufgehangen wurden.

Auch nannten sie ihren Vorsitzenden nicht mehr "Brudermeister" sondern "Schultheiß" oder wie es in der Dialektsprache heißt "Schultes".

Nach 1795 kommt noch eine Neuerung in die Gemeinschaft. Es ist die Versteigerung der Dorfmädchen - Mailehnen genannt. Auch das hängt mit dem Freiheitswillen der Jugend zusammen. Man wollte die alten Bevormundung in der Wahl ihrer Bräute durch die Herrschaften abschütteln. Bis dahin war es fast unmöglich, das Mädchen seiner Wahl ohne Erlaubnis der Herrschaften zu heiraten. Dieses Privileg stand nur den "Hohen Herrschaften und dem Adelsstand" zu.

 

Mit dem Jahr 1814 ging die französische Zeit zu Ende. Das Rheinland kam zum "Königreich Preußen". 1840 wurde das preußische Vereinsgesetz eingeführt. Es mussten neue Satzungen von den Vereinen angelegt werden. Man sollte das Vereinsleben, besonders bei den Junggesellenvereinen, straffen und militärischer formen. Das gleichzeitige Kirchliche war nicht mehr erwünscht. Auch der Walporzheimer Junggesellenverein wurde davon betroffen.

 

Im Jahr 1914 brach der 1. Weltkrieg aus. Da fast alle Junggesellen zum Krieg eingezogen wurden, ruhte das Vereinsleben bis 1919. Viele Vereinsmitglieder hatten ihr junges Leben auf dem Schlachtfeld für das Vaterland lassen müssen. Ihr Andenken wird auf einer Tafel in der Kapelle würdig festgehalten. Nach dem Krieg kamen französischen Truppen als Besatzung in das Dorf.. Die Junggesellen von Walporzheim hatten wieder ihr Vereinsleben.

 

Im Jahre 1939 brach der 2. Weltkrieg aus. Er wurde schrecklicher als der Erste. An ein Vereinsleben war nicht mehr zu denken. Alle Junggesellen waren zum Kriegsdienst einberufen. Das Dorf wurde durch die wiederholten Bombenangriffe sehr zerstört. Das ganze Wirtschaftsleben kam zum erlahmen.

1945 war der Krieg mit dem vollständigen Zusammenbruch des Deutschen Reichs zu Ende. Sehr viele kamen nicht mehr zurück oder wurden Opfer der Bombenangriffen. Zu ihren Andenken errichtete man ein Ehrenmal auf dem Vorplatz des alten Walporzheimer Bahnhofes. Nach dem 2. Weltkrieg kamen amerikanische Soldaten als Besatzung ins Dorf. Sie wurden bald von französischen Soldaten abgelöst. Das Vereinsleben begann wieder. Am 9. März 1948 beschloss man, dem Verein wieder eine Grundlage zu geben. Man knüpfte an die alten Tradition, das Kirchliche mit dem Weltlichen wieder zu verbinden.

Man gab auch in der neu aufgestellten Satzung den Verein einen neuen Namen. Er nennt sich nun:

Junggesellenverein "St. Sebastianus" Walporzheim

 

Heute sind fast 500 Jahre Vereinsgeschichte vorübergegangen. Der Junggesellenverein "St. Sebastianus" Walporzheim kann auf seine alte weltliche und kirchliche Tradition stolz sein.

 

Möge der Verein sich immer seinen alten Tradition zum Wohle des Dorfes und seinen Dorfbewohner bewusst sein.